WAYUU-EDITION: Wassermangel in La Guajira

In unserem letzten Blogeintrag haben wir euch schon ein wenig über die Wayuu sowie über die berühmten Mochilas erzählt, die sie in wochenlanger Arbeit Stück für Stück per Hand fertigen und deren bunte kreative Muster uns zu den Designs unserer neuen Legging-Edition inspirierte.

Heute wollen wir auf die aktuellen Bedrohungen aufmerksam machen, die diese indigene Volksgruppe in den letzten Jahren immer mehr zu spüren bekommt.

Staudamm und Wassermangel

Die karge und schroffe Landschaft von La Guajira, wo die Wayuu ihre Heimat haben, macht das Leben dort grundsätzlich schon nicht leicht. Zwar hat ihre Unwirtlichkeit die Wayuu über die Jahrhunderte vor der vollständigen Missionierung und Eroberung durch die spanischen Konquistadores bewahrt. Die schlechte Nutzbarkeit dieser Region für die Landwirtschaft und der damit einher gehende wirtschaftliche Fokus auf Viehzucht und Kunsthandwerk hat allerdings zur Folge, dass die dort lebenden Menschen schneller und auch stärker von Umwelt- und wirtschaftlichen Einflüssen betroffen sind als andere Regionen.

In den letzten Jahren hat sich die Lage vor allem in den ländlichen Dörfern außerhalb der Städte aus zwei Gründen verschärft: einerseits durch das Nachlassen der Regenmengen, das den ohnehin schon trockenen Norden von La Guajira in eine wüstenähnliche Landschaft verwandelt; und andererseits durch den Staudamm El Cercado im Süden der Region, der dem für die Wayuu lebenswichtigen Ranchería-Fluss das Wasser abschneidet und ihn in seinem nördlichen Flusslauf Richtung Ozean sukzessive austrocknet. Die Wasserknappheit ist durch diese beiden Faktoren beständig gestiegen und für die Wayuu mittlerweile zu einem lebensbedrohlichen Problem geworden.

7b0a534b95e14c2a96785465a0fc5290_6Seit dem Bau des Cercado-Staudamms trocknet der Rio Ranchería immer mehr aus. (Nicolo Filippo Rosso / Quelle: Al Jazeera)

Bergbau und Wasserverschmutzung

Ein weiterer Faktor, der dieses fragile Ökosystem und die Menschen, die in ihm leben, belastet, ist die Kohleindustrie. Der Bergbaukonzern El Cerrejón betreibt im Südosten von La Guajira einen der größten Kohletagebaue der Welt, der Abbau von Kohle ist ein bedeutender Wirtschaftszweig in Kolumbien. Diese Industrie verbraucht Unmengen an Wasser, obwohl das Unternehmen mit seinem Tagesverbrauch von über 64 Millionen Litern Wasser noch weit unter der Wassermenge wirtschaftet, die es laut Lizenz der kolumbianischen Regierung eigentlich verbrauchen dürfte.

Die Vorwürfe der Vertreter der Wayuu wiegen schwer: anstatt den Stausee des Cercado-Damms für die Wasserversorgung der Region zu nutzen, werden hauptsächlich die Kohleindustrie und große Ländereien im Süden von La Guajira von dem künstlichen Wasserreservoir begünstigt. Der Tagebau von El Cerrejón hat aber noch viel schlimmere Konsequenzen: um den Kohle-Abbau trocken zu halten, wird Grundwasser abgepumpt, wodurch der allgemeine Grundwasserspiegel sinkt. Was den Wayuu bleibt, ist das tiefer liegende, meist abgestandene Wasser, das eigentlich nicht mehr trinkbar ist.

131726192a44401683d5d47309fb7b67_6Die Kohlemine El Cerrejon. (Nicolo Filippo Rosso / Quelle: Al Jazeera)

ce8e8b0fa0da492689aae229e6941fe1_6Eine Wayuu-Frau holt Wasser aus einem versalzten Brunnen. (Nicolo Filippo Rosso / Quelle: Al Jazeera)

Die Folgen sind fatal: durch den Wassermangel verbreiten sich Krankheiten, das zu wenige und schlechte Wasser hat auch Auswirkungen auf die Lebensmittel- und Nährstoffversorgung von Kindern und den Babys von stillenden Müttern. Tausende Kinder sind dadurch stark geschwächt, viele in den letzten Jahren aus völlig vermeidbaren Gründen an Wassermangel und Unterernährung gestorben. Genaue Zahlen lassen sich zwar nicht nachweisen, da die Wayuu ihre toten Kinder meist traditionell auf ihrem eigenen Territorium begraben, ohne die Todesfälle den Behörden zu melden, doch die Schätzungen, die Vertreter der Wayuu angeben, sind erschreckend hoch.

Die verfehlte Vision

Ursprünglich hätte sich alles ganz anders entwickeln sollen. Über Aquädukte hätte der Stausee die trockene Region im Norden und die Städte mit genügend Wasser versorgen sollen. Jahrelang wurde ein großer Teil der Abgaben, die El Cerrejón für den Kohle-Abbau an den Staat zahlt, an das Department La Guajira weitergeleitet. Doch weder ist das Wasserversorgungssystem jemals fertiggestellt worden, noch hat das Geld die Menschen erreicht. Vielmehr ging es irgendwo in den verfilzten Strukturen einer korrupten Lokalpolitik verloren. Stattdessen sind die Wayuu auf die Nothilfe des kolumbianischen Staates sowie auf die nachhaltige Arbeit von Hilfsprojekten angewiesen.

Eines dieser Hilfsprojekte wollen wir mit den Erlösen aus dem Verkauf unserer Leggings finanziell unterstützen: die Organisation Aguayuda. Damit ihr wisst, wen wir da unterstützen, werden wir euch im nächsten Blog-Beitrag einen Einblick in die wertvolle Arbeit dieser Organisation geben.

 

Für detailliertere Informationen zur Situation der Wayuu empfehlen wir folgende Artikel, auf denen auch dieser Blogbeitrag beruht:

“Genug Wasser für den Bergbau, zu wenig Wasser für die Wayúu” bei ZEIT ONLINE
“A Severe Lack of Clean Water Is Killing Indigenous Children in Colombia” bei VICE United States

Mehr Fotos aus der Schwarz-Weiß-Serie von Nicolo Filippo Rosso könnt ihr auf Al Jazeera sehen.

Cineasten können wir außerdem den “La Buena Vida” empfehlen, einen Film über das Leben der Wayuu im Schatten der Kohle-Industrie: